Grüne Schulpolitik: doppelte Null-Lösung an den Eltern vorbei

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Schulpolitik scheint nicht gerade ein Gewinner-Thema der Grünen zu sein: nach dem Fiasko der Hamburger Schulsenatorin und Lehrerin Christa Goetsch mit dem Volksentscheid gegen ihre Schulreform möchte jetzt der Saarländer Bildungsminister Kessler, ebenfalls von den Grünen, zwei christliche Schulen schließen (1, 2, 3, auch eine PM des epd hier) – „Erste Schulschliessung in Deutschland seit der NS-Zeit“ titelt ein Blog. „Jetzt bei Don Bosco-Schule richtig durchgreifen“ schaltete die grüne Fraktionsgeschäftsführerin und Pressesprecherin schon letzten Mai auf Angriff mit einer Pressemitteilung (1), als ein Internat des gleichen Trägervereins geschlossen wurde, Hauptvorwurf damals: genehmigt war das Internat (‚Internatle‘ müßte das wohl auf schwäbisch heißen) nur für 8 Schüler, während es aktuell im Frühjahr 2010 25 Schüler dort waren. Skandal: bis zu vier Jungen waren in einem Zimmer untergebracht. Ich war früher auf Jungscharlagern, da waren noch viel mehr Jungen in einem Zimmer, der Waschtrog für alle war in einem mittelalterlichen Wehrgang eingebaut und die Nagold, in der wir badeten, war Anfang der 70er bakteriologisch und chemisch eher zweitklassig, das Trauma wirkt bis heute.

Als Grund nennt der grüne Minister gegenüber der Saarbrücker Zeitung„Es gibt nur einen Grund, weshalb das Bildungsministerium die Privatschulgenehmigung des Don-Bosco-Schulvereins für die Grundschule St. Arnual und die Erweiterte Realschule Herz-Jesu in Saarbrücken-Fechingen widerrufen hat.  Dieser besteht in der Unzuverlässigkeit des Schulvereins und der damit drohenden Gefährdung des Kindeswohls.“ So konkret wollten wir’s gar nicht wissen, oder? Hat er einen Fall, in dem er das Kindeswohl konkret gefährdet sieht? Zumindest will er ihn uns nicht verraten, eine Kommunikationsstrategie wie Guttenberg mit der Gorch Fock und der Feldpost, sicher der Weg zum Erfolg. „Das Verwaltungsgericht Saarlouis, das einem Eilantrag des Schulträgers gegen die Schließung stattgegeben hatte, stellte demgegenüber fest, daß es kein öffentliches Interesse an der von Kessler verordneten Schließung der Schulen zum 24. Januar gebe. Mängel im Betrieb der Erweiterten Realschule Herz-Jesu… und der privaten Grundschule St. Arnual hätten nicht festgestellt werden können. Eine Gefährdung der 61 dort unterrichteten Kinder bis zur Hauptverhandlung in einigen Wochen sei unwahrscheinlich“ schreibt die FAZ am 19.01. (FAZDonBoscobleibtgeöffnet201101 oder auch hier). So kann sich der grüne Minister entspannt wieder anderen, offensichtlich wichtigeren Dingen zuwenden, das freut uns für ihn.

Ich hätte bisher nicht gedacht, daß ich mal eine katholische Einrichtung, die auch noch offensichtlich den Pius-Brüdern nahesteht, verteidigen würde; ist auch nicht mein Hauptanliegen. Wichtig ist mir, daß alle Eltern ihre Kinder dort freiwillig hinschicken (und wahrscheinlich noch dafür bezahlen). Der grüne Bildungsminister meint also, besser als die Eltern zu wissen, was für ihre Kinder gut sein soll. Alle diese Eltern könnten ihre Kinder ja auf eine Staatsschule schicken, kostenlos – tun sie offensichtlich nicht, sie werden ihre Gründe dafür haben – hier der offene Brief der Eltern gegen die Schließungs-Absicht des Ministers.

„Alle Schüler, die guten und die leistungsschwächeren oder selbst anfänglich problematische Schüler haben nach Beendigung der Schule in ihren Ausbildungsbetrieben oder Arbeitsstellen sehr gute Rückmeldungen bezüglich der Arbeitsbereitschaft, der Zuverlässigkeit, der Achtung der Vorgesetzten und dem sozialen Umgang mit Kunden und Mitarbeitern erhalten.“ schreiben die Eltern in ihrem offenen Brief.

Kann er das von „seinen“ Staatsschulen auch behaupten? Ich empfehle ihm, mit der Schließung der ungeliebten katholischen Konkurrenz einfach so lange zu warten, bis er das von allen seinen Schulen auch sagen kann.

Bei der Kandidaten-Kür vor ca. 6 Jahren, als Beate Müller-Gemmeke die Landtagskandidatin wurde, fragte ich die Kandidatinnen nach ihrer Meinung zu „Eltern-Initiativschulen“ (Privatschulen wollte ich nicht sagen) und Beamtenrecht für Lehrer – von keiner erhielt ich eine klare Ja, Ja, Nein, Nein-Antwort. Immerhin hat Reutlingen eine Waldorfschule, eine freie evangelische Schule, die St. Wolfgang-Schule und die könnten für ein klares Wort unseres aktuellen Bewerbers Thomas Poreski dankbar sein.

Böse Kommentatoren zum Saarland-Fall fragen natürlich gleich: wann wird endlich die König-Fahd-Schule in Bonn geschlossen? Solche Argument-Geschütze, wie sie dieser FAZ-Artikel aus 2004 auffährt, kann der grüne Bildungsminister für seine Schulschließungspläne, die erstmal gerichtlich gestoppt wurden,  nicht vorweisen. Die katholischen Eltern im Saarland haben leider nicht die Außenpolitik auf ihrer Seite „Doch das Auswärtige Amt intervenierte. Die diplomatischen Beziehungen zu Saudi-Arabien würden leiden. Abgesehen davon gebe es auch eine deutsche Schule in Riad, deren Existenz man nicht gefährden wolle.“ weiß die FAZ, warum die Schule damals nicht geschlossen wurde.

Zum Thema Schulpolitik und Homeschooling verweise ich gerne auf meinen Leserbrief im GEA „Schnarchen ist weit zu hören“.

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