EnBW am Tag danach

Da muß ich einen Denkfehler bekennen: ich hatte angenommen, daß die EnBW-Aktie am ersten Börsentag nach dem GAU in Japan in die Tiefe rauschen würde – wie RWE und E.ON das auch brav gemacht haben, RWE um gute 4,5% (Stand 12.30 Uhr), E.ON um um 4,6%, das sind in Beträgen für RWE 4,5% von 24 Mrd Börsenwert der ganzen Firma = 1,08 Mrd bzw. für E.ON 4,7% von 44 Mrd Börsenwert = 2 Mrd Wertverlust übers Wochenende, auch nicht schlecht, oder? Nach einem GAU denken selbst die Börsianer, die nur auf den Dollar sehen, etwas langfristiger über Kosten und Risiken der Atomenergie nach.

Und warum EnBW nicht?

Des Rätsels Lösung heißt „Streubesitz“, wieviel Prozent der gesamten Aktien des Unternehmens werden überhaupt an der Börse gehandelt? Bei EnBW liegt der Fall so, daß das Land und die Oberschwäbischen Kommunen (OEW) zusammen über 90% halten, fast 6% sind in anderen „festen Händen“ (siehe Bild links unten), deshalb sind nur 1,86% auf dem freien Markt, von 10 Mrd Börsenwert sind das „nur“ 186 Mio. €. Gehandelt wurden am Montag morgen in Stuttgart nur 120 Stück, bei XETRA (elektron. Handel in Frankfurt) auch nur 3474 Stück, ein Gesamtvolumen von 147.600 Euro, das kaufen die großen festen Hände zur Kurspflege auf und verhindern so aus politischen Gründen einen entsprechenden Kursrutsch wie bei den Kollegen E.ON oder RWE, die zu 60 (RWE) bzw. 84% in Streubesitz sind: zu viele Akteure im Markt, keine Kurspflege möglich. Bei einem Paketverkauf würde ein Interessent uns Mappus die fallenden Börsenkurse der anderen AKW-Betreiber jedoch vorrechnen, nur weil der Börsenkurs heute bei gepflegten 41,- verharrt, muß er nicht denken, daß er unter heutigen Bedingungen wieder 41,- bekommen würde: Vorsichtsprinzip, Wiederbeschaffungswert, Niederstwertprinzip, als Kaufmann müßte er heute schon eine Abschreibung von mind 4% machen.

EnBW an der Börse Stuttgart am 14.03.2011 um 12.30 Uhr

Richtig zur Sache gings heute morgen in Tokio und Frankfurt mit TEPCO (Quellenangabe, aktueller Kurs hier), der Tokyo Electric Power Corp., dem Betreiber des AKW Fukushima: 31% Verlust, in Frankfurt 5,74 €, bei 1352 Mio Aktien, die insgesamt ausgegeben sind, sind das 7,7 Mrd € Wertverlust. Der Kurs war vor dem Erdbeben bei um die 18,-, morgen geht das nochmal abwärts, weil ja heute noch schlechte Nachrichten dazu kommen.

Tepco in Frankfurt am 14.03.2011

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