Die Fehler der anderen – „Hier wird vermutet“

„Wechsel finden durch die Fehler der anderen statt. Nicht durch eigenen Verdienst. Bei einem epochalen Wechsel kann man also nichts anderes erwarten, als dass man die Fehler der Vorgänger erbt und korrigieren muss.“ So unser neuer MP Kretschmann, lange vor der Wahl, zitiert von der tagesschau in einem Kommentar von Brigitte Wentzien.

Ein Kommentator bei metatagesschau schreibt: „…die Blamage der SPD völlig außen vor gelassen. Denn das ist neben der katastrophalen FDP die einzige Partei die real Stimmen verloren hat und zwar deutlich. Denn die CDU hat in Anbetracht der deutlich höheren Wahlbeteiligung in Baden-Württemberg real sogar MEHR Stimmen bekommen als vor 5 Jahren. Nur die deutlich höhere Anzahl der Nichtwählererweckung durch die Grünen hat das Ergebnis wirklich beeinflusst.“ Die CDU gewann fast 200 T Stimmen dazu, die Grünen jedoch 742 T Stimmen.

Die FAZ analysiert am Dienstag nach der Wahl aus CDU-Sicht (FAZLandtagswahl2011AnalyseKohler) – es hätte so schön sein können, wenn Mappus und Merkel die Grünen nicht seit Jahren zu Unberührbaren erklärt hätten. Die CDU würde schon 5 Jahre lang mit den GRÜNEN regieren und weiter den Ministerpräsidenten stellen und Frau Klöckner wäre Ministerpräsidentin in RLP, mit grüner Verstärkung. Es war ein taktischer Fehler (und eine grobe Mißachtung des Amtes des Ministerpräsidenten), als Mappus vor 5 Jahren die Gespräche Oettingers mit den GRÜNEN torpedierte; er tat es sicher nicht ohne Rückendeckung aus Berlin. Es war ein Fehler, als Rambo zu versuchen, die bürgerlichen Unterstützer des S21-Widerstandes zu separieren. Und eine Aktienspekulation mit geliehenem Geld ist schon vom Ansatz her unseriös und halsbrecherisch – wenn es dann noch um 5 Milliarden geht und um geliehenes Geld auf fremder Leute Rechnung (die „Baden-Württemberg-Anleihe“ – das klingt verdächtig nach „Winterhilfswerk“ – dürfen unsere Kinder und Enkel zurückzahlen), dann ist das weder konservativ noch christlich. Und liberal? Wir hatten einen Jungenwitz „der hat am Hosenladen ein Schild – hier wird vermutet“ – so ähnlich denke ich über die FDP, bei der ich seit Jahren vergeblich liberalen content suche.

Nachtrag am 04.04.2011: ein paar schöne Stimmen aus dem Inneren der FDP zitiert KP Krause in seinem Blog, die meine Enttäuschung über die FDP ziemlich gut belegen: „Der Verrat der FDP“ siehe hier.

Der demütige Kretschmann hat recht: wir haben keine Zeitenwende zum Besseren, hinter dem dicken, nunmehr durchbohrten Brett kommt nicht das ewig grüne Paradies, wir haben eine Wahl verdammt knapp (4 Sitze Vorsprung, siehe hier) gewonnen, weil die anderen kapitale Fehler gemacht haben. Gerade aus ultra-konservativer Sicht stehen Merkel und ihre Girls heftig in der Kritik, als Zahlmeister Europas, der Souveränitätsverlust nach Brüssel, Frau von der Leyen mit Frauenquote, ihrer Auffassung von Familienförderung, Mindestlöhnen usw. usf., von Westerwelle ganz zu schweigen.

Denn: wir hier in BaWü erben ein Musterländle, an dem es aus wirtschaftlicher Sicht wenig zu kritisieren gibt. Unsere Wähler (nach dimap 346 T von anderen Parteien, 266 T von den „Nichtwählern“) werden sehr genau registrieren, ob ihre wirtschaftliche Situation durch Grün-Rot schlechter wird. Die hohe Zahl von Selbständigen (31% der S. haben grün gewählt, nur 10% FDP) und derer mit Hochschulabschluß, das deutet auf Führungspositionen hin, werden wenig Experimente im Umgang mit der Geldmaschine, der Industrie, erlauben. Die Chefin von Trumpf, Nicola Leibinger-Kammüller (eine Huldigung hier im Manager-Magazin) wird im Handelsblatt wiedergegeben mit „einfach nur schrecklich“ findet sie die Grünen – ein Versuchsballon, eine Gefechtsstellung, keine endgültige Position. Die pietistisch erzogene Philologin wird sich mit dem katholischen Ethiklehrer schon verstehen.

Wir werden als Regierungspartei also der Wirtschaft profiliertere, gewichtigere Gesprächspartner als den bekennenden Partei-Linken Gerhard Schick bieten müssen, der sich v.a. durch ein eindeutiges Ja zur Transferunion hervortut und dem zum Abschied von Bundesbank-Chef Weber nichts anderes einfiel, als ihm für ein Jahr den Wechsel in die Privatwirtschaft verbieten zu wollen.

Das wird die Aufgabe des MP und der versprengten, wenig organisierten Realos in Baden-Württemberg sein, die Realo-Stimmen deutlich und gebündelt zu artikulieren. Bei einem linken Durchmarsch könnte es sonst sein, daß wir in 5 Jahren noch Juni0rpartner einer liberaleren, freundlicheren, grüneren CDU (Hauck statt Gönner, Mappus – wer war das?) sein dürfen. Wir haben den Vertrauensvorschuß der Wähler – wenn wir darauf mit einer Realo-Politik mit deutlich grünen Ecken und Kanten antworten und nicht altlinke Idealvorstellungen der Realität überstülpen wollen, dann haben wir die Chance, aus dem Erfolg vom März 11 eine „nachhaltige“ Position zu machen.

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