Griechen, EZB und Target2 einfach erklärt – Krugman sieht den Euro im Panik-Modus

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Kontostände der Zentralbanken bei der EZB Ende 2010 Quelle: http://krugman.blogs.nytimes.com/2011/06/01/the-euro-living-dangerously/

Kennen Sie den: Treffen sich zwei Dichter am Strand, der eine: „Da draussen schwimmt ein Barsch, das Wasser geht mir bis zum Knie“. Der andere: „das reimt sich doch gar nicht“. Der erste wieder: „wart‘ doch, bis die Flut kommt“.

Warren Buffet wird zitiert: „Erst bei Ebbe sieht man, wer ohne Badehose ins Meer gegangen ist“ (im prüden Amerika ein worst-case-Szenario), er meint, welche Finanzanlagen krisenfest seien. Im Ernst: als wir zwei deutsche Studenten anno ’82 vom Praktikumshof in Massachusetts aus mit ein paar Amis an einem einsamen Badesee im Wald waren (weit und breit sonst niemand), verteilten sich die gleichaltrigen Amis zum Umziehen hinter die Büsche, was auf uns einen starken Gruppenzwang ausübte, auf die Badehose nicht zu verzichten.

Von einem anderen Wasserstand schreibt Paul Krugman über die Euro-Krise: „If you ask me, the water level has now dropped so far that the fuel rods are exposed. We really are in meltdown territory.“ Ein Kind des Atom-Zeitalters: eine fishing rod ist eine Angelrute, fuel ist eigentlich Treibstoff, „fuel rods“ sind aber die Brennstäbe in einem AKW und wenn der Kühlwasserstand fällt, ist nicht nur die fehlende Badehose das Problem, dann sind wir „in meltdown territory“, also nahe der Kernschmelze.

Es geht um die Frage, und die hat HW Sinn als erster so deutlich gestellt, ob neben den offiziellen Griechenland-Rettungspaketen die Zahler-Länder (also in der Hauptsache Deutschland) via Forderungen und Verbindlichkeiten auf Tagesgeld- oder Verrechnungskonten bei der EZB viel höher haften als die Zahlen aus den Rettungspaketen besagen. Der FAZ-Autor Stefan Ruhkamp beschreibt es am 19.04. so: „Innerhalb von nur vier Jahren hat ein einzelner Posten in der Bilanz der deutschen Bundesbank ein derart großes Gewicht erhalten, dass auf ihn inzwischen etwa die Hälfte der Aktiva entfällt. Seit dem Beginn der Finanzkrise sind die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegen andere Euro-Notenbanken, die aus dem europäischen Zahlungsverkehrssystem Target-2 stammen, von fast null auf 321 Milliarden Euro gestiegen.“

Krugman bestätigt die Thesen HW Sinns über die unbekannten Kredite innerhalb des Euro-Systems via Target II – Konten bei der EZB, die ja auch Sven Giegold schon Anfang dieses Jahres ansprach. Die Financial-Times-Grafik aus Krugmans Blog-Artikel zeigt auch dem Bild-Leser oder der Brigitte-Leserin (immer schön gender bleiben ;-)), daß da was faul ist.

„… that slow-motion bank runs are already in progress in the European periphery, and that these countries’ banking systems are being sustained only by a process in which, say, Ireland’s central bank borrows from the Bundesbank and then lends the funds on to Irish private banks to replace the fleeing deposits.“ Nicht ein alarmistischer Euro-Endzeit-Prophet, sondern der liberale Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 2008 sagt also Anfang Juno 2011, daß an den Rändern Europas schon ein langsamer Bank-Run im Gange ist und die Banken in diesen Ländern nur noch dadurch gestützt werden, daß z.B. Irlands Zentralbank sich via tiefrotem EZB-Kontostand von der Buba Geld leiht und dieses Geld den irischen Banken zur Verfügung stellt, damit diese das Fluchtgeld ersetzen können.

So schließt sich der Kreis zum Dichterwitz am Anfang: ob wir den Griechen noch mehr Geld offiziell als Rettungspaket geben, oder ob wir Griechenland hops gehen lassen, bei derzeit uneinbringlichen Bar-Forderungen der EZB von > 80 Mrd an die Griechen, bei einer EZB als bad-bank, da den Keller und die Bilanz voller griechischer Schrottpapiere und bei Forderungen der deutschen Buba von > 300 Mrd an eine de facto bankrotte EZB, wir Deutschen haben den Wasserstand schon am Knie – wir müssen nur noch ein paar Stunden warten, bis die Flut kommt.

Da wir schon beim Witze machen sind, wer sagt denn, daß Euro-Krise eine ernste Sache sein muß, hier noch ein Kommentar aus Weissgarnix‘ Stealth-Bailout-Artikel als Bild, zum guten Schluß.Du Saldenhasser Wer sich eingehender informieren möchte, ist bei mir am falschen Platz, der sollte bei Weissgarnix, HW Sinn selber in der FAZ (hier als pdf), eine schöne Zusammenfassung im dlf, etwas verschwörerischer und dramatischer hier in diesem Forum und dann bei global change 2009 weiterlesen; wer Zeit hat, kann es noch hochkarätiger bei der Hayek-Gesellschaft nachlesen, die am 10. Juno ein Symposium zum Thema veranstaltete, siehe der Bericht von KP Krause hier. Und dann selbst das Denken anfangen – wir brauchen mehr Bürger, Leute, die sich um solche Themen kümmern, wir dürfen das nicht den Ackermanns, Trichets, Merkels und Sarkos überlassen!

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Griechen, EZB und Target2 einfach erklärt – Krugman sieht den Euro im Panik-Modus

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