Warum noch bloggen, die Zweite: Kommentare lesen

Die aktuelle Krise wird ihre politischen Auswirkungen haben, auch politisch sind die ruhigen Fahrwasser vorbei, da wird es schwierig, Richtung zu erkennen und zu halten.  Was alles brodelt und Wellen erzeugt kann man jedoch erkennen: die Kommentarfunktion bei entsprechenden Artikeln gibt erste Eindrücke.

Man nehme einen pointierten, um nicht zu sagen populistischen Artikel oder einen Bericht über ein solches Verhalten und lese dann die Kommentare. Zwei solche Artikel aus der jüngsten Zeit sind a) das neueste Werk in SPON von Jan Fleischhauer, dieser Rechtsaußen-Schnösel („Stammtischbruder Jan“), der den Finger gerne in Wunden legt und dann noch bohrt, ob er die richtigen Schlüsse daraus zieht, bleibt offen; völlig zurecht weist er darauf hin, daß man hinter salbungsvollen Worten (hier „Gemeinschaft“ aus Richtung EU) böse Wahrheiten vermuten darf. b) ein FAZ-Artikel über den ungar. Premier Orban, der Vorgänger-Regierungen für Staatsschulden persönlich verklagen (lassen) will.

„Die Idee hat Charme“, „Orbàn ist der Zeit voraus …“, „Verschuldungspolitik ist ein politisches Verbrechen“ lauten die entsprechenden Überschriften, nur ein „besorgter Bürger aus Budapest“, der daran erinnert, daß es auch Orban erstmal um Machterhalt geht und er z.T. an Beschlüssen von Vorgängerregierungen mitgewirkt hat.

Ein einigermaßen sachlicher Artikel in der FAZ bringt es auf 26 Kommentare, ein populistischer Tiefschlag in Spiegel Online auf 290 (Stand 09.08. morgens). Auch die Grünen bekommen dabei ihr Fett weg, ob die Welle der Sympathie seit S21 anhält oder am Strand der Eurokrise bricht und mit viel Strudeln und Schaum im Sand verläuft, wird man sehen. „So sind eben unsere grünen Scheindemokraten. Volksabstimmung über einen Bahnhof, aber Entmündigung der Bürger bei Einführung des Euro, diverse EU-Verträge, EU-Erweiterungen, Wegfall von Grenzkontrollen, vertragswidrige bail outs in Höhe von hunderten Milliarden Euro, Einführung der Transferunion – über solche Fragen dürfen die Bürger natürlich nicht mitreden. Lassen wir uns also weiter ablenken von den Bahnhofsdemokraten“ stellt die basisdemokratische Gretchenfrage, warum es bei einem neuen Bahnhof eine Volksabstimmung geben soll, bei den wirklich wichtigen Fragen jedoch nicht.

Auch in Zeiten von political correctness bekommt man so kostenlos Wahrheiten geliefert, wie sie früher nur Hofnarren oder die Kinder im Märchen sagen durften („der Kaiser ist doch nackt“), und die Kommentatoren machen das sogar freiwillig und offenbar mit Spaß: „Dass die Griechen ihre Schulden mit Zinsen zurückzahlen ist ungefähr so wahrscheinlich, wie in der Fußgängerzone ausgerechnet von einem 70er Plymouth Superbird überfahren zu werden.“

Deshalb zum Abschluß mal ein schönes Autobild hier im Blog – jetzt gehe ich doch besser joggen, morgens um halb sechs.

Tödlicher Unfall damit in der Wilhelmstraße so wahrscheinlich wie daß die Griechen ihre Staatsschulden zurückzahlen

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